Verantwortlich für die Gesamtplanung der auf ca. 9200 m² errichteten Gewerbe- und Wohnhofanlage war der Bauunternehmer und Architekt Kurt Berndt. Der Architekt, Künstler und Philosoph August Endell übernahm die Aufgabe, die Fassaden im ersten Hof sowie die hier in den Seitenflügeln und im Quergebäude gelegenen Restaurants und Festsäle zu gestalten. Einen größeren Anteil als in anderen Berliner Gewerbehöfen nimmt in den Hackeschen Höfen der Wohnbereich ein. Einzigartig ist die kulturelle Nutzung des ersten Hofes, der mit seinen Jugendstilfassaden das Entré der Anlage darstellt, wobei der Gewerbecharakter der Höfe zunächst negiert wird. Die Festsäle standen u. a. für Familien- und Vereinsfeiern der im Viertel lebenden Bevölkerung zur Verfügung. Während hier Vorträge über Ästhetik gehalten wurden, sich 1909 der expressionistische Dichterverein "Der Neue Club" gründete, arbeiteten nebenan in den Stockwerksfabriken Männer und Frauen für die Berliner Herren- und Damenkonfektion, produzierten Schuhe oder Flaschenkorken.

Der um 1900 virulente Einfluß der Lebensreformbewegung zeigt sich auch an der Verlegung der Wohngebäude ins Blockinnere, an ihrer Ausrichtung auf die Grünanlagen benachbarter Friedhöfe, an der Anzahl der Balkone sowie an der Hofbegrünung. In diesem Zusammenhang ist auch die Ausstattung der ca. 80 Wohnungen mit Bädern, Innentoiletten und Zentralheizung erwähnenswert. Mit dem Bau der Anlage wurde städtebaulichen Mißständen, die mit der zuneh-menden Verdichtung innerstädtischer Grundstücke einhergingen, entgegengewirkt. Sie hatten Berlin den Ruf der größten Mietskasernenstadt der Welt eingebracht und die Stadtflucht begünstigt. Tuberkulose galt mittlerweile als "Berliner Krankheit".

Nach jahrzehntelanger Vernachlässigung, Zweckentfremdung (Festsäle) und Zerstörung (Straßenfassade) gelten die Hackeschen Höfe seit ihrer Sanierung in den neunziger Jahren als eine der Hauptsehenswürdigkeiten Berlins. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Investoren, der Denkmalsschutzbehörde sowie dem Verein Hackesche Höfe e. V. als Vertreter der Mieter ließ die Sanierung und die neue Nutzungskonzeption der Hackeschen Höfe zu einer Erfolgsstory werden, die in den letzten Jahren in der näheren Umgebung der Höfe zahlreiche Nachahmer fand. So wirkten die von Investoren auch als Ankerplatz bezeichneten Hackeschen Höfe als Motor für die Revitalisierung eines lange vernachlässigten Stücks Alt-Berlin.

Autor: Ernst Siebel